Hauptanliegen des Vereins EX-IN Deutschland e.V. ist es, die Arbeits- und Lebenssituation von Menschen mit der Erfahrung psychischer Erschütterungen nachhaltig zu verbessern. Dies geschieht unter Einbeziehung Psychiatrieerfahrener, Angehöriger von Psychiatrieerfahrenen und Personen mit einer Fachausbildung und Berufserfahrung im Bereich Psychiatrie.

Erreicht werden sollen diese Ziele zum Einen durch Informationen zur trialogischen Haltung und den Inhalten der EX-IN-Arbeit, sowie durch die Qualifizierung von Menschen mit Psychiatrieerfahrung zu EX-IN-GenesungsbegleiterInnen und EX-IN-TrainerInnen. Neben zertifizierten GenesungsbegleiterInnen stehen die EX-IN TrainerInnen-Kurse Profis aus dem psychiatrischen Arbeitsbereich, so wie Angehörigen von Menschen mit psychischen Krisen offen.  

Standards

Um eine fundierte Qualifizierung von KursteilnehmerInnen zu gewährleisten, sind Standards notwendig. Durch sie wird die Arbeit in vielen Bereichen vergleichbar und transparent und sie bieten einen orientierenden Rahmen.

Standards schützen die Interessen des Vereins und seiner Mitglieder, sie schützen die Qualität der Qualifizierungsangebote  und fördern die Anerkennung durch die Kostenträger.

Im Falle von Uneinigkeiten über die Anerkennung (z.B. von EX-IN Kursangeboten) bieten verbindliche Standards einen Orientierungsrahmen.

Die Bedeutung von Standards steht in direktem Bezug zur Qualität der Lehre, der Ausbildung und Weiterbildung. Somit sind Standards unverzichtbare Bausteine, um die Wirksamkeit von Genesungsbegleitung vorzubereiten und TrainerInnen-Kompetenz zu fördern.

Da sich EX-IN als lebendige Bewegung versteht, sollten auch die Standards regelmäßig auf Angemessenheit und Aktualität überprüft werden.

 

Kriterien für unsere Kurse

Die EX-IN- Kurse sind geprägt von einem trialogischen Selbstverständnis.
Die Entwicklung von Erfahrungswissen, das durch die Entdeckung und Reflexion von ICH, ICH – DU und WIR-Wissen entsteht, ist Anliegen der Inhalte. D.h. im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung mit den eigenen und mit den kollektiven Erfahrungen zu den jeweiligen Modulthemen. Ein weiterer wichtiger Punkt in den Modulen ist die Schaffung von Räumen für neue Erfahrungen. Die Vermittlung von Wissen und Methoden ist diesen Prioritäten unterzuordnen.

Die Trainertandems sind paritätisch besetzt mit mindestens einer/einem Psychiatrieerfahrene/r und mindestens einer Person mit einer Fachausbildung und Erfahrungen als MitarbeiterIn im Bereich Psychiatrie. Beide haben eine EX-In Trainerzertifizierung und geben gemeinsam den Kurs.

Basis der EX-IN - Kurse ist das Curriculum. Die darin erarbeiteten und/oder beschriebenen Methoden, Inhalte und Ziele sind für die TrainerInnen verbindlich. Lediglich in der Herangehensweise gibt es Unterschiede.

 

 

 

Methodik

Das Hauptanliegen der Beteiligung von “Experten durch Erfahrung” ist, die individuelle Erfahrung als Ressource zu nutzen. Dazu müssen die Betreffenden in der Lage sein, ihre Erfahrungen und ihre Bewältigung zu reflektieren. Dies ist mit der Bereitschaft und der Fähigkeit verbunden, diese Erfahrungen als Teil des Reflektionsprozesses mit anderen auszutauschen.

Es gilt einen Blickwinkel zu vermeiden, der sich ausschließlich auf individuelle Erfahrungen, Werte und Annahmen beruft - „um ein Experte durch Erfahrung zu werden, ist es erforderlich, die eigenen Erfahrungen zu reflektieren und diese mit anderen auszutauschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Es ist erforderlich, dass die Experten ihre Erfahrungen im Vergleich mit anderen Erfahrungen, anderen Situationen und anderen Menschen überprüfen und erproben“.

Um zu verhindern, lediglich traditionelles Wissen und bekannte Erklärungen zu reproduzieren, hat das Projekt die eindeutige Aufgabe, eine Ausbildung zu entwickeln, die auf individuellen Erfahrungen aufbaut.

Der erste Schritt ist, von den individuellen Erfahrungen der einzelnen TeilnehmerInnen aus zu gehen. Durch die Reflexion und Strukturierung dieser Erfahrungen kann sie oder er ein erfahrungsbasiertes “ICH-Wissen” entwickeln. Wenn wir davon ausgehen, dass es notwendig ist, eine gemeinsam geteilte Perspektive von dem zu entwickeln, was hilfreiche Haltungen, Methoden und Strukturen zur Unterstützung von Menschen in psychischen Krisen sind, ist es wichtig, dass die Teilnehmer ihre Erfahrungen austauschen, um “WIR-Wissen“ zu entwickeln. Dadurch kann die Erfahrung von besonderen psychischen Prozessen und psychischen Krisen sowohl auf individueller Ebene als auch auf kollektiver Ebene verstanden werden. Es entsteht Erfahrungswissen.

Die Trainertandems

EX-IN Kurstrainer sind:

  • EX-IN-Genesungsbegleiter mit einem EX-IN-Trainerzertifikat
  • Mitarbeiter im psychiatrischen Hilfesystem und dem Zertifikat zum EX-IN-Trainer
  • EX-IN-Angehörigenbegleiter mit EX-IN-Trainerzertifkat

Fachleute, die zu bestimmten Themen im Kurs unterrichten sind ReferentInnen und weder verantwortlich für das Kursgeschehen noch darin eingebunden.

EX-IN Trainer arbeiten immer als Tandem oder als Team, das aus mindestens einem EX-IN-Genesungsbegleiter und einem Mitarbeiter (wie oben beschrieben) besteht; beide müssen dazu zertifizierte EX-IN-Trainer sein.

Gruppengröße

Die Gruppen sollte zwischen 15 und 24 Teilnehmer haben, es müssen bis zum Ende mindestens 15 Teilnehmer sein.

Kursgebühren

Der Teilnehmerbetrag für die EX-IN-Kurse sollte so bemessen sein, dass eine unseren Standards entsprechende Lehre ermöglicht werden kann. Leitlinien für die Höhe der Kursgebühren werden jährlich vom Vorstand mitgeteilt.

Besucher

Besucher im Kurs oder Menschen von außerhalb, die bei einem oder mehreren Modulphasen anwesend sein möchten, müssen einen besonderen Grund hierfür vorweisen. Dann stimmen die Teilnehmer und Trainer miteinander darüber ab, ob und in welcher Weise sie die Besucher in eines oder mehrere Module einbeziehen möchten.

Besucher meint nicht die Referenten oder Nachholer aus anderen Kursen

Auswahl der Teilnehmer/innen

EX-IN-Trainer, die einen EX-IN Kurs durchführen, haben das Recht und die Verpflichtung, sämtliche Bewerbungsschreiben und –unterlagen zu studieren. Ihnen obliegt es auch, beim Auswahlverfahren der zukünftigen Teilnehmer zu entscheiden.

Anforderungen an Teilnehmer

  • Erfahrung mit schweren seelischen Erschütterungen und deren Bewältigung
  • Keine akute Krise und keine akute Sucht
  • Möglichst Vorerfahrung in Selbsthilfe oder Trialog
  • Bereitschaft über sich und seine/ihre Erfahrungen in der Gruppe zu sprechen
  • Bereitschaft sich auf Gruppenprozesse einzulassen
  • Soziales Netz, das Begleitung und Unterstützung während des Kurses bietet
  • Bereitschaft zur Selbstfürsorge

Informationsveranstaltungen

  • Vor Beginn eines Kurses sollte mindestens eine Einführungsveranstaltung angeboten werden. Zusätzlich sollte eine Beratung zur Finanzierung angeboten werden.

Bewerbungsverfahren

  • Die TeilnehmerInnen bewerben sich schriftlich und erläutern ihre Erfahrungen, ihren Lebenslauf, ihre Motivation... (siehe Anhang Muster Bewerbungsbogen).
  • Das Trainerteam führt anschließend persönliche Bewerbungsgespräche (einzeln oder in Gruppen). Alternativ gibt es sog. Bewerbertage.

Evaluation

Eine regelmäßige Rückmeldung der Kursteilnehmer an die Trainer ist ein bedeutsames Steuerungsinstrument sowohl in einem Kurs, als auch allgemein für die Qualitätssicherung. Die Rückmeldungen sollten am Ende jedes Moduls erfolgen. Sie können mündlich (Abschlussblitzlicht) erfolgen. Mindestens zwei mal (am Ende der Basismodule und am Ende des Kurses) sollte die Rückmeldung jedoch auch schriftlich erfolgen.

Kursdokumentation

  • Handouts sind direkt an den Veranstaltungstagen auszuhändigen.
  • Die auf Flip-Chart und Metaplan gefertigten Gruppenarbeiten der Teilnehmer können, per Kamera oder schriftlich dokumentiert, den Kursverlauf, die Diskussionsprozesse und Arbeitsergebnisse darstellen. Sie sollten allen Kursteilnehmer zur Verfügung gestellt werden.
  • Eine Dokumentation des Tagesablaufs soll aus Qualitätssicherungsgründen erfolgen. Sie erleichtert aber auch die Arbeit für nachfolgende Trainer.

Interne Qualitätsprüfung

Standards sind nur wirksam, wenn sie verbindlich und konsequent von allen Trainern angewandt werden. Daher wird der Vorstand des Vereins EX-IN Deutschland e.V. die Einhaltung in Abständen  an den einzelnen EX-IN-Kursstandorten überprüfen.

Aktualisierung des Curriculums

Die Aktualisierung des Curriculums sollte in 5-Jahres Abständen erfolgen. Mit dieser Arbeit ist eine AG betraut werden.

Neue wichtige Erkenntnisse, Inhalte und Methoden sollen von dieser AG gesammelt, gesichtet und ggf. vorgestellt werden. Ggf. ist zu prüfen, ob neue Anforderungen zu einer Veränderung des Curriculums führen oder als Zusatzkurse (z.B. Forschung) angeboten werden.

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